Globale Trends und die Entwicklung in Deutschland

Hätte man vor 10 Jahren technische Redakteure gefragt, hätte das keiner erwartet: Dass sich das Berufsbild tiefgreifend verändern und einmal in allen Industriebereichen so wichtig sein würde. „Dokumentation“ war in den Köpfen lange ein sehr trockenes, eher langweiliges Thema. Doch durch neue Trends und Technologien hat sich das gravierend geändert. Für technische Redakteure ist das eine erfreuliche Entwicklung. Ihre Arbeit gewinnt an Bedeutung und Wertschätzung.

Doch woran liegt das? Wird der Trend so weitergehen? Welche Veränderungen kommen auf den technischen Redakteur zu? Welche Verantwortung hat er zukünftig im Prozess der Informationserstellung und -wartung?

Im Folgenden werden wir einen Blick auf die Trends in Deutschland sowie auf die globalen Entwicklungen werfen.

Exkurs Wikipedia: Technischer Redakteur

Der Technische Redakteur konzipiert, erstellt und aktualisiert technische Dokumentationen, wie beispielsweise Bedienungsanleitungen, Installations- und Montageanleitungen und Schulungsunterlagen oder Online-Hilfen. Zunehmend arbeiten Technische Redakteure unternehmensintern und verfassen z. B. Pflichtenhefte und Spezifikationen oder kümmern sich entwicklungsbegleitend um Terminologie oder Bedieneroberflächen.

 

Im Fokus: IT

Gestiegener Bedarf in der IT

Technische Redakteure werden unter anderem in der IT eingesetzt. Wächst die IT, wächst auch der Bedarf technischen Redakteuren. Schauen wir uns also die IT näher an. Laut Statista ist die Anzahl der Erwerbstätigen in Deutschland in „IT-Services und Software“ in den letzten 10 Jahren stetig gestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2008 war bis 2018 ein Gesamtanstieg um knapp 70 % zu vermerken (auf fast eine Million Erwerbstätige).

Auch die Umsatzwachstumsraten in IT-Services und Software drücken das Wachstum der deutschen IT-Branche aus. Die Statistiken zeigen, dass das Plus in den letzten fünf Jahren im Schnitt bei 8,6 % lag. Zum Vergleich: Das BIP-Wachstum lag im Schnitt bei 1,8 %. Ein weiterer Indikator für das Wachstum der IT-Branche sind die IT-Ausgaben, beispielsweise für Enterprise Software und IT-Services. Diese stiegen in den letzten beiden Jahren global um ca. 15 %.

Der Trend ist also eindeutig, und schenkt man den Prognosen Glauben, wird er sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Die Bedeutung der IT wächst und vernetzte IT zieht in nahezu alle industriellen Produkte und Dienstleistungen ein. Je mehr vernetzte IT und je mehr IT in Endprodukten desto größer ist hier der Bedarf an technischer Dokumentation und Kommunikation, sprich an technischen Redakteuren.

 

Prognosen

Bezüglich der Prognosen sind sich Gartner, Statista & Co einig: Der Trend bleibt. Ein besonderer Fall für wachsende IT-Services sind Cloud-Services. Der erwartete Umsatz im Cloud Computing wird rasant zunehmen, sowohl in Deutschland als auch weltweit. (Statista)

Vielleicht kennen Sie das Zitat von Peter Heidkamp, Head of Technology bei KPMG: „Die digitale Transformation eines Unternehmens startet häufig mit Cloud-Lösungen. In der Praxis sind sie der Motor der Digitalisierung“.

Cloud macht alles einfacher und unkomplizierter könnte man meinen. Leider nicht in allen Bereichen. Der Vereinfachung in der Nutzung stehen für Unternehmen steigende Herausforderungen bei der Dokumentation gegenüber. Das bedeutet, dass mit der Cloud-Nutzung auch der Dokumentationsbedarf und damit die Nachfrage nach technischen Redakteuren zunimmt.

 

Im Fokus: Regulatorik

Freute man sich im letzten Jahr darüber, dass die DSGVO für weniger Spam im Emailpostfach sorgte, bedeutete dies für Unternehmen eine enorme Umstellung. Nicht nur Prozesse mussten verändert werden – die Einhaltung der DSGVO muss zudem so dokumentiert und belegt sein, dass sie im Zweifel rückwirkend nachvollziehbar ist.

Richtlinien, Gesetze, Verordnungen und Standards sollen Orientierung und Stabilität herstellen. In der Praxis steigt dadurch jedoch der Druck auf Unternehmen, besonders dann, wenn im Zuge der digitalen Transformation die Unternehmen mit ihren Partnern, Lieferanten und Kunden immer enger vernetzt sind. Daher müssen auch regulatorische Themen neu betrachtet und definiert werden. (KPMG, zum Artikel).

Regulatorik haben Sie selbst vielleicht schon bei einer Kontoeröffnung oder dem Abschluss einer Versicherung erlebt. Finanzdienstleister schaffen es kaum noch die Flut von neuen regulatorischen Anforderungen (wie Basel III, CRR/CRD IV, die BRRD und ganz aktuell Basel IV) in immer kürzerer Zeit umzusetzen, so Bankingclub (zum Artikel).

Ob Verordnungen wie die DSGVO, oder branchenspezifische Regulatorik – der Dokumentationsaufwand für Unternehmen steigt.  Das führt wiederum dazu, dass der Bedarf an technischen Redakteuren steigt.

Schon gewusst?

2016 gab es in Deutschland etwa 85.000 hauptamtliche Technische Redakteure. Ein Großteil der Dokumentationen wird jedoch von Personen verfasst, die eigentlich andere Hauptaufgaben haben, so dass das Berufsbild des Technischen Redakteurs vielen Unternehmen unbekannt ist. (Wikipedia)

 

Was ändert sich für technische Redakteure?

Veränderungen in der technischen Dokumentation und Kommunikation führen zu veränderten Anforderungen an technische Redakteure. Die Statistiken zeigen, dass die IT eine Branche ist, die zum einen wächst, und zum anderen vieler technische Redakteure bedarf.  Demnach haben technische Redakteure, die sich ein breites IT-Wissen aneignen, besonders gute Chancen.

IT-Wissen ist ohnehin von Vorteil, denn auch die Art, wie wir kommunizieren, hat sich verändert. Die technische Kommunikation setzt immer mehr auf neue Technologien.

Veränderung der technischen Kommunikation:

  • Immer mehr vernetzte Produkte
  • Veränderte Arbeitsweise
    • Einsatz von VR, zum Beispiel im Designprozess eines Produktes
    • Einsatz von AI, zum Beispiel in der Industrie, um Maschinenausfälle frühzeitig zu erkennen und zu verhindern (Predictive Analytics)
    • Unterstützung der Mitarbeiter und Kunden durch (Chat)bots, zB den Einsatz eines Chatbots im Kundensupport

Doch nicht nur branchenspezifisches Wissen oder Wissen über bestimmte Technologien ist von Vorteil. Die Erfahrung zeigt, dass die Methodik und ein Blick über den Tellerrand in der Dokumentation entscheidende Rollen spielen. Wer sich weiterentwickeln möchte, kann den Schritt in Richtung Informationsmanagement wagen. Ohne an dieser Stelle in die Tiefe zu gehen: Neben technischer Redaktion sind Informationsmanager beispielsweise dafür verantwortlich, dass verschiedene Interessensgruppe bei Erstellung der Informationsbasis einbezogen werden, um gemeinsam die Ziele zu definieren. Gleichzeitig übernehmen Informationsmanager Verantwortung für das Projektmanagement, Reporting und Zielerfüllung.

 

Zusammengefasst

Die Trends und Entwicklungen der letzten Jahre sowie die Prognosen lassen erkennen, dass die Zeit reif ist für mehr und technologisch & methodisch innovativere Dokumentation – besonders in der IT-Branche. Eine gute Strategie für technische Redakteure ist die kontinuierliche Weiterbildung. Dies kann branchenspezifisch, oder speziell zugeschnitten auf die neuen Methoden, Ansätze und Technologien geschehen. Lesen Sie in einem der kommenden Newsletter welche Zertifizierungen für Sie als technischen Redakteur interessant sein könnten.

Warum Sie als Technische/r Redakteur/in immer wichtiger werden (PDF)
Globale Trends und die Entwicklung in Deutschland

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Impressum: 
Datum: Juli 2019
Autor: Jennifer Gitt
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