…das liegt daran, wie Gamification heute verstanden und umgesetzt wird. Werfen wir einen Blick darauf, warum es in den meisten Fällen nicht funktioniert – und wie man daran etwas ändert!

 

1. Problem: Was ist Gamification?

Wenn von Gamification die Rede ist, geht es für gewöhnlich darum, Elemente aus Spielen zu einem System hinzuzufügen, um den Spaßfaktor bei der Arbeit zu erhöhen. Und hierin liegt auch schon die Ursache, warum das Ergebnis meist hinter den Erwartungen zurückbleibt. Eine langweilige Aufgabe oder die Arbeit mit einem nervtötenden Tool werden nicht unterhaltsam, nur weil man ein Punktesystem und Errungenschaften hinzufügt. Vielleicht gibt es ein paar Nutzer, die bereit sind, etwas mehr Zeit und Aufwand in eine ermüdende Aufgabe zu stecken, wenn sie dadurch eine hohe Punktzahl erreichen, aber das war vermutlich nicht die Absicht hinter der Einführung eines Gamification Systems. Eigentlich geht es darum, dass die Teammitglieder mehr Elan und Hingabe für die Aufgabe entwickeln und sich ihrer Arbeit mehr verbunden fühlen. Stattdessen suchen sie nun bloß nach dem schnellsten Weg, Punkte zu sammeln. Möglicherweise verringert sich dadurch sogar die Produktivität.

Damit Gamification funktioniert, muss sie ein Teil des Systems sein, kein nachträglicher Zusatz. Das wird offensichtlich, zieht man Spiele als Vergleich heran: Wenn das Spielen keinen Spaß macht, ändert auch ein Sieg nichts daran; und am Lieblingsspiel hat man auch dann noch Spaß, wenn man verliert. Die Aufgabe zu erledigen muss von sich aus befriedigend sein. Hier zwei Tipps, wie man das erreicht:

  1. Wir empfinden eine Tätigkeit dann als lohnend, wenn wir am Ende stolz auf das sind, was wir getan und erreicht haben. Lassen Sie Ihr Team wissen, wie ihre Aufgaben mit dem großen Ganzen zusammenhängen und warum sie notwendig sind. Dadurch können sogar kleine, widerkehrende Aufgaben zu etwas werden, in das man gern Energie hineinsteckt.
  2. Überlegen Sie sich, was Ihr Team erreichen möchte, und machen Sie die fragliche Aufgabe zu einem Schritt auf dem Weg dorthin. Wenn Ihre Mitarbeiter etwa als Experten für ein bestimmtes Thema wahrgenommen werden wollen, kann jede Aufgabe eine Möglichkeit sein, Wissen und Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. (Im Falle simpler Aufgaben können das auch Softskills sein, zum Beispiel die Fähigkeit, auch bei monotonen Aufgaben konzentriert zu bleiben.)

 

2. Problem: Konkurrenz und Motivation

Konkurrenz kann durchaus motivierend sein. Die Evolution hat das Streben, der oder die Beste (oder wenigstens besser als manch andere) zu sein, fest in unser Gehirn integriert. Allerdings ist das nicht der einzige Motivator, der in unserer Psyche verankert ist, und es ist auch keineswegs der beste, vor allem, wenn man in Teams arbeitet. Weshalb? Weil gesunder Wettbewerb schnell in einen harten Konkurrenzkampf ausarten kann. Mobbing von Nutzern mit geringer Punktzahl ist ein extremes Beispiel. Öfter kommt es dazu, dass Nutzer resignieren. Zu erkennen, dass man es nie schaffen wird besser zu werden (zum Beispiel einen höheren Rang auf der Bestenliste zu erreichen) gehört zu den demotivierendsten Erfahrungen überhaupt. Außerdem schwindet die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zur Weitergabe von Wissen.

Die gute Nachricht ist, dass sich diese Probleme leichter lösen lassen, als man glaubt. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Konkurrenzkampf zu entschärfen. Überlegen Sie sich genau, wer mit wem konkurrieren soll. Ein Wettbewerb zwischen den Teams anstatt unter Einzelpersonen ist viel schwächer von den negativen Effekten betroffen. Oder warum tritt nicht jeder gegen sein früheres Selbst an? Für besonders große Verbesserung gibt es zusätzliche Belohnungen. Auch Formulierung und Darstellung können großen Wirkung haben. Aus der „Bestenliste“ wird die „Liste der aktivsten Nutzer“, die von niemandem komplett eingesehen werden kann und die auch nicht die genauen Punktzahlen zeigt. Dadurch werden die Führenden weiter belohnt, ohne dass weniger gut platzierte Nutzer abgestraft werden.

Noch besser: Nutzen Sie andere Motivatoren. Oft steckt hinter dem Wunsch, die oder der Beste zu sein, das Bedürfnis nach Anerkennung. Ein System, das Kollegen und Vorgesetzte über außergewöhnliche Leistungen und vollendete Arbeitsschritte informiert und es ihnen ermöglicht, sofort ihre Wertschätzung für die erbrachte Arbeit auszudrücken, hilft Ihnen mehr dabei, Ihr Team zu motivieren, als es jede Bestenliste je könnte. Und ja, auch das ist Gamification. Errungenschaften sind nichts anderes als die automatisierte Anerkennung bemerkenswerter Leistung. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die Anerkennung durch eine Maschine weniger motivierend wirkt als die Anerkennung durch unsere Mitmenschen.

 

3. Problem: Gamification und Usability

Allzu oft wird bei der Debatte um Gamification die Rolle von Usability und Ästhetik vernachlässigt. Wir Menschen mögen es, schöne Dinge anzusehen, vor allem, wenn sie sich bewegen, und wir haben Freude daran, Werkzeuge zu benutzen, um mit weniger Aufwand mehr zu erreichen. Beliebte Gamification-Elemente in ein schlechtes Tool zu integrieren kann komplizierter und weniger effektiv sein, als das Tool selbst zu verbessern. Ein intuitiveres Menü, ein kleiner Popup oder eine kurze Animation wirken vielleicht nebensächlich, doch sie können die Bereitschaft, mit dem Tool zu arbeiten, enorm erhöhen und uns sogar zum Lächeln bringen. Es hat seinen guten Grund, dass Ästhetik ein wichtiger Punkt im Konzept jedes neuen Spiels ist. Sie hilft uns, konzentriert, interessiert und begeistert zu bleiben. Wenn Sie also keine Zeit in ein komplexes Gamification System investieren wollen, sollten Sie etwas davon ins Oberflächendesign stecken. Wenn das Tool spielend leicht zu bedienen ist, finden die Nutzer schon von selbst heraus, wie man damit Spaß haben kann.

 

Zusammengefasst

Kann Gamification also Teams motivieren? Ja, aber nur, wenn man es richtig macht. Überlegen Sie sich, was Ihre Teammitglieder wollen und nutzen Sie Gamification dann, um hervorzuheben, wie die Aufgaben und Tools sie darin unterstützen. Erwarten Sie nicht, dass es all Ihre Probleme löst. Gamification kann unliebsame Aufgaben aufheitern, Potentiale freisetzen und so die Effizienz erhöhen. Nicht mehr und nicht weniger.

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Impressum: 
Datum: September 2019
Autor: Isabell Bachmann
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